Wunsiedel - Ein jüdisches Trauergebet sprach der Hofer Rabbiner David Goldberg bei der Gedenkfeier für die 30 auf dem Wunsiedler Friedhof begrabenen KZ-Häftlinge. Die Identität der Toten ist bis heute nicht bekannt. Da sie in Särgen, an denen sich kein Kreuz befand, bestattet wurden, und bei der Trauerfeier am 31. August 1945 auch ein Rabbiner anwesend war, sind sich die Heimatgeschichtsforscher einig, dass es sich um Juden handelt. Deshalb waren bei der Veranstaltung am Dienstagabend zwar die Vertreter der christlichen Kirchen auf dem Friedhof anwesend, beteiligten sich aber nicht aktiv an der Zeremonie. David Goldberg las einen hebräischen Text aus dem Kaddisch und stimmte einen Klagegesang an, der den vielen Gästen regelrecht unter die Haut ging.
Der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde Bamberg, Heiner Olmer, sagte, dass die jüdische Tradition in Deutschland bis ins vierte Jahrhundert reiche. "Es gibt nicht nur die zwölf Jahre während der Nazidiktatur." Obwohl das jüdische Leben in Deutschland seit einigen Jahren wieder erblühe, gebe es im Verhältnis zwischen Juden und der übrigen Bevölkerung noch immer keine Normalität. "Immerhin müssen jüdische Einrichtungen von der Polizei geschützt werden." Er, Olmer, wünsche sich eine bunte, interreligiöse und multikulturelle Republik. "Die Menschen sollten erkennen, dass Vielfalt eine Bereicherung ist und keine Bedrohung."
Quelle: Frankenpost vom 02.09.10, Ressort Wunsiedel, Text und Foto: M. Bäumler


